Produktionsverlagerung messtechnisch absichern: Referenzscan, CAD-Daten und Erstbemusterung

Checkliste für Maschinenbau, Werkzeugbau und industrielle Fertigung

Wird eine Produktion an einen anderen Standort verlagert, eine Fertigungslinie modernisiert oder eine bestehende Anlage auf neue Maschinen umgestellt, müssen Bauteile und Baugruppen weiterhin die vereinbarten geometrischen Anforderungen erfüllen.

Doch wie lässt sich feststellen, ob sich durch die Verlagerung Maße, Formen oder Funktionsflächen verändert haben?

Eine messtechnische Dokumentation vor und nach der Umstellung schafft eine nachvollziehbare Vergleichsgrundlage.

Digimold Reverse Engineering unterstützt Industrieunternehmen seit 2001 bei der 3D-Digitalisierung, optischen Bauteilvermessung, CAD-Soll-Ist-Prüfung und Flächenrückführung.

Warum Referenzdaten vor einer Produktionsverlagerung wichtig sind

Bei einer Fertigungsverlagerung können sich Maschinen, Aufspannbedingungen, Vorrichtungen, Prozessparameter und Umgebungsbedingungen ändern.

Auch wenn dieselben Zeichnungen und Fertigungsprogramme verwendet werden, ist nicht automatisch gewährleistet, dass die gefertigten Bauteile geometrisch identisch sind.

Eine Referenzmessung dokumentiert den Ausgangszustand vor der Verlagerung.

Die gewonnenen Messdaten können anschließend mit Bauteilen aus dem neuen Fertigungsprozess verglichen werden.

Das ist besonders hilfreich bei:

  • Verlagerung von Fertigungslinien und Produktionsstandorten
  • Maschinenwechseln in der Serienfertigung
  • Übernahme von Werkzeugen und Vorrichtungen
  • Lieferantenwechseln
  • Wiederanlauf älterer Fertigungsanlagen
  • Fehlenden oder veralteten CAD-Unterlagen

Checkliste: Produktionsverlagerung messtechnisch vorbereiten

1. Vor der Verlagerung – Referenzzustand sichern

☐ Relevante Bauteile, Werkzeuge und Vorrichtungen festlegen

☐ Aktuelle Zeichnungsstände und CAD-Daten zusammenstellen

☐ Kritische Maße, Funktionsflächen und Toleranzen definieren

☐ Repräsentative Referenzbauteile auswählen

☐ Bauteile eindeutig Maschinen, Werkzeugen oder Kavitäten zuordnen

☐ Geeignete Bauteile mittels optischem 3D-Scan digitalisieren

☐ CAD-Soll-Ist-Vergleiche und Messberichte dokumentieren

☐ Messbedingungen und Bezugsgrundlagen festhalten

2. Während der Verlagerung – Daten verfügbar halten

☐ CAD-Modelle, STL-Daten und Messberichte zentral sichern

☐ Eindeutige Dateinamen und Versionsstände verwenden

☐ Messdaten mit Bauteil- und Werkzeugnummern verknüpfen

☐ Relevante Bezugssysteme und Ausrichtungsverfahren dokumentieren

☐ Prüfmerkmale und Freigabeanforderungen mit dem neuen Standort abstimmen

☐ Sicherstellen, dass die erforderlichen Datenformate weiterverwendet werden können

3. Nach der Verlagerung – Geometrie vergleichen

☐ Neue Musterbauteile unter dokumentierten Bedingungen herstellen

☐ Vergleichsmessung nach abgestimmter Messstrategie durchführen

☐ Neue Messdaten mit CAD-Solldaten vergleichen

☐ Referenzmessung und neue Bauteilgeometrie gegenüberstellen

☐ Maß- und Formabweichungen untersuchen

☐ Bei Mehrkavitätenwerkzeugen kavitätsbezogen auswerten

☐ Ergebnisse dokumentieren und erforderliche Maßnahmen abstimmen

☐ Erneute Erstbemusterung beziehungsweise Freigabeanforderungen klären

Hinweis: Umfang und Art einer erneuten Erstbemusterung hängen von Kundenanforderungen, Produkt und Änderungsumfang ab. Ein 3D-Scan ersetzt keine gegebenenfalls erforderliche Produkt- oder Prozessfreigabe.

Bestandsdigitalisierung: Wenn CAD-Daten fehlen oder veraltet sind

Bei älteren Maschinen, Werkzeugen und Vorrichtungen sind aktuelle CAD-Daten nicht immer verfügbar.

Teilweise existieren nur technische Zeichnungen, alte Datenstände oder physische Bauteile.

In solchen Fällen kann eine 3D-Digitalisierung helfen, den vorhandenen geometrischen Zustand zu dokumentieren.

Mit optischer 3D-Messtechnik lassen sich geeignete Oberflächen erfassen und als Polygonnetz, beispielsweise im STL-Format, bereitstellen.

Wird ein bearbeitbares CAD-Modell benötigt, können die Messdaten als Grundlage für eine Flächenrückführung beziehungsweise Reverse Engineering dienen.

So lassen sich fehlende Geometriedaten für Konstruktion, Ersatzteilfertigung oder weitere technische Untersuchungen rekonstruieren.

Mehr zur Flächenrückführung bei Digimold

Maschinenbau und Vorrichtungen: Geometrie vor dem Umzug dokumentieren

Nicht nur Spritzgusswerkzeuge profitieren von einer Referenzmessung.

Auch im Maschinenbau können Veränderungen an Vorrichtungen, Halterungen, Aufnahmen und komplexen Bauteilen relevant sein.

Eine 3D-Vermessung kann beispielsweise eingesetzt werden, um:

  • Aufspann- und Anlageflächen geometrisch zu dokumentieren
  • Positionen und Abstände definierter Funktionsmerkmale zu prüfen
  • Vorrichtungen vor und nach einer Verlagerung zu vergleichen
  • Bestehende Bauteile ohne aktuelle CAD-Daten zu digitalisieren
  • Geometrische Veränderungen an Baugruppen zu untersuchen

Welche Prüfmerkmale sinnvoll sind, hängt von der Funktion des jeweiligen Bauteils und den vereinbarten Toleranzen ab.

CAD-Soll-Ist-Vergleich: Veränderungen sichtbar machen

Beim CAD-Soll-Ist-Vergleich wird die gemessene Bauteilgeometrie mit dem vorhandenen CAD-Modell verglichen.

Farbcodierte Flächenvergleiche können lokale und großflächige Abweichungen sichtbar machen.

Für eine Produktionsverlagerung sind zwei Vergleiche besonders interessant:

Vergleich 1: Bauteil gegen CAD

Zeigt, ob die untersuchte Bauteilgeometrie von den konstruktiven Sollvorgaben abweicht.

Vergleich 2: Vorher gegen Nachher

Zeigt, welche geometrischen Unterschiede zwischen den ausgewählten Referenzbauteilen und den Bauteilen aus der neuen Fertigung auftreten.

Wichtig sind dabei vergleichbare Messbedingungen, geeignete Ausrichtungen und einheitliche Auswertekriterien.

Erstbemusterung nach Maschinen- oder Standortwechsel

Nach einer Produktionsverlagerung kann eine erneute Erstbemusterung erforderlich sein.

Dies hängt unter anderem von den Vorgaben des Kunden, dem Produkt und den vorgenommenen Änderungen ab.

Die optische 3D-Vermessung kann dabei geometrische Prüfdaten liefern, beispielsweise für:

  • Zeichnungsbezogene Maßprüfungen
  • CAD-Soll-Ist-Vergleiche
  • Form- und Lageauswertungen geeigneter Merkmale
  • Dokumentation von Abweichungen
  • Vergleich verschiedener Fertigungszustände

Ob ein vollständiger Erstmusterprüfbericht oder weitere Freigabeunterlagen erforderlich sind, sollte vorab geklärt werden.

Mehr zur industriellen Lohnmessung

Spritzgusswerkzeug auf eine andere Maschine verlagern?

Ein spezieller Anwendungsfall ist der Wechsel eines bestehenden Spritzgusswerkzeugs auf eine andere Spritzgießmaschine.

Hier können veränderte Prozessbedingungen Auswirkungen auf Schwindung, Verzug und Maßhaltigkeit der gefertigten Kunststoffbauteile haben.

Mit einer Referenzmessung vor dem Wechsel und einer erneuten 3D-Bauteilvermessung danach lassen sich geometrische Veränderungen untersuchen.

Bei Mehrkavitätenwerkzeugen ist zusätzlich eine kavitätsbezogene Auswertung möglich.

Produktionsverlagerung mit 3D-Messtechnik begleiten

Sie planen einen Standortwechsel, eine Maschinenverlagerung oder die Übernahme bestehender Werkzeuge und Vorrichtungen?

Digimold unterstützt Sie bei der geometrischen Dokumentation und Auswertung geeigneter Bauteile.

Unsere Leistungen:

  • 3D-Referenzmessung vor der Verlagerung
  • Optische Bauteilvermessung nach dem Maschinenwechsel
  • CAD-Soll-Ist-Vergleich und Flächenanalyse
  • Bestandsdigitalisierung vorhandener Bauteile
  • Flächenrückführung bei fehlenden CAD-Daten
  • Geometrische Auswertungen für Erstbemusterung und Qualitätssicherung


Sichern Sie den geometrischen Ausgangszustand Ihrer Fertigung, bevor Maschinen und Werkzeuge verlagert werden.

Jetzt 3D-Referenzmessung bei Digimold anfragen.